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Anne

"Ein freiwilliges soziales Jahr in Bethel? Niemals! Das machen nur welche die sonst nichts mit ihrer Zeit anzufangen wissen."
 

- Das waren meine Worte noch vor einem Jahr, als meine Mutter verzweifelt versuchte mich für ein Betheljahr zu motivieren.

Name: Anne

Alter: 19

Praxisbereich: Dasein für Senioren - Lebensfreude bewahren

Einsatzstelle: Wohnstift 'Frieda v. Bodelschwingh'

Zeitraum: Okt. 2011 - Sept. 2012

Ich machte zu der Zeit gerade mein Abitur und hatte nach der Schule ganz andere Ziele. Ein Jahr ins Ausland zu gehen war mein großer Traum. Veränderte Umstände ließen diesen jedoch platzen und was mir blieb war schließlich nur noch das so langweilig klingende Betheljahr. Zur großen Freude meiner Mutter bewarb ich mich als eine der letzten und konnte nur noch auf eine halbwegs auf mich passende Stelle hoffen, da fast alle Einsatzstellen schon belegt waren.

Ein paar Tage später kam dann der entscheidende Anruf. Mir wurde eine Einsatzstelle im Bereich der Altenhilfe angeboten.

Wohnstift ‘Frieda v. Bodelschwingh’ heißt die Einrichtung, in der ca. 50 Diakonissen im Feierabend zu Hause sind.

"Diakonissen????" So richtig konnte ich mir darunter noch nichts vorstellen. Auch war mir die Arbeit mit Kindern eigentlich lieber gewesen. "Aber gut..", dachte ich mir. "Schaust du's dir wenigstens mal an".

Nachdem dann die Leiterin der Einrichtung mit mir Kontakt aufgenommen hatte, wurde ich relativ bald auch schon zum Probearbeiten eingeladen und war positiv überrascht. Lauter ältere Damen manche mit Häubchen, andere ohne, begegneten mir sehr freundlich und interessiert. Auch das Wohnstift von innen hinterließ einen bleibenden Eindruck bei mir. Ich hatte die ersten Tage das Gefühl ich befände mich in einem 5 Sterne Hotel. Hier konnte ich mir gut vorstellen ein Jahr zu arbeiten. Mein Entschluss stand also fest:

Ich werde auch eine Betheljahrspraktikantin sein.

4. Oktober 2011: Ich wurde unsanft aus dem Schlaf geweckt. Einen Blick auf meinen Wecker veranlasste mich meine Decke noch weiter über den Kopf zu ziehen. 5:30 Uhr, eine unchristliche Zeit für eine Abiturientin, welche die letzten drei Monate frühstens um 11:00 Uhr das Bett verlassen hat. Ich quälte mich also aus dem Bett und verließ um Punkt 6:00 Uhr das Haus, während meine Eltern noch seelenruhig schliefen. Eine ganz neue Situation für mich, noch vor meinen berufstätigen Eltern das Haus zu verlassen. Ein Dauerzustand wie sich später herausstellen sollte.

Um Punkt 7:00 Uhr, nachdem ich den Bethelberg erklungen hatte, (vom Bethelbus wusste ich damals noch nichts), kam ich dann im Wohnstift ‘Frieda v. Bodelschwingh’ an, wo man mich schon erwartet. Die nächste halbe Stunde war komplett gefüllt mit: Brötchen holen, Zeitungen sortieren, Brötchen verteilen, Treppe rauf, Treppe runter, nach links und rechts, neue Brötchen bestellen und und und. Ich war verwirrt, hatte jedoch keine Zeit weiter darüber zu spekulieren ob ich mich hier je zurecht finden würde, da immer mehr Informationen auf mich einströmten, die ich verzweifelt versuchte in die richtige Reihenfolge zu bringen. Stift und Zettel halfen mir zum Glück dabei.

Nach und nach kamen dann die ersten Bewohner aus ihren Wohnungen und das Wohnstift begann zu leben. Die Diakonissen hatten so ein freundliches und offenes Wesen, nahmen mich herzlich auf und ich habe mich sofort wohl gefühlt, was mir den Start des Betheljahrs deutlich erleichterte. Mein positives Gefühl über meinen neuen Arbeitsplatz hielt jedoch nur so lange an, bis das Wort "Bullifahrt" viel. "Ich sollte Bulli fahren??" Ich erinnerte mich dunkel daran, dass dies eine Voraussetzung der Einsatzstelle war, welche ich gekonnt verdrängt zu haben schien. Allerdings versicherte man mir ein Fahrtraining mit dem Bulli, wo ich dann feststellte, dass das ganze ja ein Kinderspiel ist. Die Damen, die ich jede Woche sicher zum Einkaufen gefahren habe, haben sich jedenfalls nie beschwert:).

Als ich nach acht langen Stunden dann endlich wieder zu Hause ankam, fiel ich erschöpft ins Bett und lies den Tag Revue passieren. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen dachte ich mir, auch wenn ich mich mit Sicherheit einigen Herausforderungen stellen muss. Mit einem guten Gefühl schlief ich schließlich ein.

Heute, sechs Monate später, sieht das ganze natürlich schon ganz anders aus. Mittlerweile bin ich ein richtiger Frühaufsteher geworden (allerdings nur mit der nötigen Portion Kaffee) und die wöchentlichen Bulli-Einkaufsfahrten mit den Bewohnern gehören zu meinem Spezialgebiet. Die Diakonissen sind nach wie vor unglaublich liebe, verständnisvolle und hilfsbereite Menschen, allerdings steckt nicht hinter jedem Häubchen ein Täubchen, was ich im Laufe der Zeit feststellen konnte. Wir sind eben alle nur Menschen und das ist auch gut so.

Im Wohnstift ist jeder Tag anders. Es gibt einige feststehende Aufgaben wie z. B. das tägliche Brötchen und Zeitungen verteilen, die Einkaufsfahrten mit dem Bulli oder kleine Hilfestellungen im Alltag der Diakonissen zu leisten. Aber ansonsten muss man flexibel sein und sich schnell auf neue Situationen einstellen können. Es gibt keinen straffen Zeitplan, den es einzuhalten gilt, sondern man kann sich sehr viel Freiraum nehmen und eigenständig arbeiten. Dieser kann dann zum Beispiel mit Besuchen bei Diakonissen gefüllt sein,  bei denen man sich neben einem Tässchen Tee von früheren Zeiten erzählen lässt.

So unterschiedlich die Diakonissen sind, sehen auch ihre beeindruckenden Lebensgeschichten aus, welche hauptsächlich darin bestanden andere Menschen zufrieden zu stellen. Umso mehr freut man sich, ihnen jetzt etwas davon zurückgeben zu können.

Die Hälfte des Betheljahres habe ich ja bereits hinter mir und freue mich auf das was noch vor mir liegt. Ich kann nur jedem empfehlen der ähnliche Gedanken über das freiwillige soziale Jahr hat, wie ich sie hatte, diese ganz schnell wieder zu vergessen.

In meinem Fall hat sich das absolut nicht bestätigt. Man ist in diesem Jahr nicht nur für andere da, sondern eignet sich auch viele Eigenschaften an, die im späteren Leben sehr hilfreich sein werden. Ich bin viel disziplinierter, fleißiger, sozialer und verantwortungsbewusster geworden, wovon auch mein Umfeld profitiert.

  • Geht man wie ich als Rohdiamant ins Betheljahr, kann ich versichern, dass man geformt und geschliffen wieder herauskommt.


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