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JUGEND-KRIMINALITÄT

Der Begriff Jugendkriminalität bezeichnet allgemein die Kriminalität und Straffälligkeit von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden. Laut des deutschen Jugendstrafrechts sind Personen ab 14 Jahren strafmündig und damit für ihre Taten verantwortlich.

Heranwachsende zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr können sowohl unter das Jugendstrafrecht als auch das Erwachsenenstrafrecht fallen. Personen von 14 bis 18 Jahren, werden laut dem Jugendgerichtsgesetz und nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz als Jugendliche eingestuft.

Wenn Jugendliche und Heranwachsende kriminell tätig werden, ist es das Ziel der Justiz die Jugendlichen und Heranwachsenden wieder auf den „richtigen Weg“ zu bringen und den Sozialisationsprozess zu fördern. Dieser Erziehungsgedanke wird dadurch gekennzeichnet, die auffällig gewordenen Jugendlichen und Heranwachsenden zum Nachdenken zu bringen und ihnen wieder eine positive Einstellung.

Kreis 74

Der 'Kreis 74' ist eine Einrichtung der Straffälligenhilfe, Resozialisierung, Prävention und Opferschutz. Eine Gruppe aus Männern und Frauen schloss sich 1974 zum Thema „Straffälligenhilfe ist Bürgersache“ zusammen. Der größte Teil der 50 Mitarbeiter ist ehrenamtlich tätig sowie wenige hauptamtliche Mitarbeiter. Kreis 74 bietet ein großes Spektrum an Beratungs- und Betreuungsangeboten. Die Angebote umfassen ein Wohnprojekt für 12 Männer, Brücke Bielefeld und Täter-Opfer-Ausgleich. Die Organisation ist tätig in Bielefeld und Umgebung. Finanziert wird die Vereinsarbeit über das Land NRW und über Spenden.

Unsere Sminargruppe im Hinterhof der Beratungsstelle

Am Dienstag haben wir gemeinsam mit der gesamten Seminargruppe den Kreis 74 besucht um uns über dessen Arbeitsweise und Arbeitsumfang zu informieren. Als Vorbereitung formulierten wir einige Fragen diesbezüglich, die wir mitbringen wollten. Die Straffälligenhilfe hat ihren Sitz im 1. Stock eines roten Backsteinhauses in der Teutoburger Straße. Das ganze Gebäude wirkte eher düster und geheim. Eine nicht sehr einladende Ausstrahlung, bedenkt man, dass es ein Ort der Resozialisierung sein soll.  Durch den Eingang im Hinterhof, der eher den Eindruck eines Hintereingangs erweckt, gelangt man durch schmale Treppen und verwinkelte Räume in den 1. Stock.

Dort begrüßt uns Norbert Schaldach, Dipl.-Sozialpädagoge des Kreis 74.  In den folgenden 1,5 Stunden unterhielt  dieser uns mit interessanten und informativen Geschichten. Wie vorher abgesprochen war er sofort bereit jegliche Fragen unsererseits zu beantworten und  motivierte uns dazu mit seiner sehr offenen und sympathischen Art. Etwas eingeengt durch die Kapazität des Raumes fühlten wir uns dennoch alle wohl und willkommen und hofften auf Antworten unserer Fragen.

Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass unser Referent so viel praktische Arbeitserfahrung hatte, dass es keine einfachen Antworten auf unsere Anliegen gab.  Andererseits waren seine Anekdoten natürlich eine gute Alternative, da diese sich als äußerst interessant und ebenso informativ herausstellten.

Durch Fallbeispiele aus seiner beruflichen Erfahrung, die sich in einer gesetzlichen Grauzone befinden, regte er uns zum Nachdenken über eventuelle Unstimmigkeiten im deutschen Rechtssystem an. Hierbei wurde deutlich, dass manche Fragestellungen nicht eindeutig beantwortet werden können, was sich auch in unserer Seminargruppe abzeichnete. Dies festigte sich, als im Nachgespräch mit der Gruppe immer wieder Kontroversen auftraten.

Wir als Seminargruppe erlebten den Besuch im Kreis 74 als spannend und anregend. Des Weiteren wurde uns die Wichtigkeit der Arbeit des Vereins bewusst.

  • Wer sich noch mehr informieren will findet unter www.Kreis74.de weitere Informationen zu dem Thema.

„Was im Fernsehen gezeigt wird ist alles Bullshit!“

Soviel zum gesellschaftlich geprägtem Bild des Gefängnisses seitens eines Häftlings.

Die Justizvollzugsanstalt in Herford ist eine von vier Anstalten für Jungen und junge Männer im geschlossenen Jugendvollzug. Das 1883 erbaute Gebäude wurde 1997 umgebaut und modernisiert. Was ist Haft? Im Grunde eigentlich eher: „Wie ist Haft?“ war die grundlegende Frage, die wir für uns klären wollten, als wir am 9.4.14 nach Herford fuhren. Leider durften wir nicht in die Vollzugsanstalt rein, denn „vor drei Wochen sind uns leider zwei Jungs abhanden gekommen“, so Dipl.-Pädagogin Nicole Sonnenbaum. Die beiden seien zwar inzwischen wieder da, aber die Sicherheitsvorkehrungen sind trotzdem intensiver geworden. „Abhauen macht wenig Sinn“ ist der einzige Kommentar zweier Häftlinge, mit denen wir sprechen. Am Anfang suche man zwar nach Fluchtmöglichkeiten, erzählt Alex*, der bereits seit vier Jahren in der JVA inhaftiert ist.

Eingang der JVA Herford

Außerdem wäre Flucht in der Anstaltskleidung Diebstahl und wenn man zu zweit abhaut auch noch Meuterei. Und da Jugendstrafe nicht verjährt…

Wie im Kreis 74 erfahren, fragen wir nach, ob wirklich 40% der Insassen wegen Schwarzfahren inhaftiert worden wären. Dies sei nicht der Fall.

Erschleichung von Leistungen sei bestimmt eine häufige Vorstrafe, aber „die meisten sitzen wegen ‘ner Mischung“, wirft Antonio* ein. „Natürlich ist hier Gewalt“ ergänzt Alex, denn schließlich sitzen die meisten wegen Körperverletzung und Raub hier. Und hier setzt auch das Ziel des Jugendvollzugs an, erklärt Frau Sonnenbaum. Das erklärte Ziel sei Erziehung und nicht Sanktion. Daher gibt es in der JVA auch zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten, insgesamt 160 Stellen für maximal 355 Häftlinge. Im Moment sein aber nur ca. 260 der 8m2 großen Zellen belegt. „Hier schafft man die Ausbildung leichter als draußen.“ erzählt uns Alex. Es gebe weniger Ablenkungen und die Förderung sei besser, schließlich seien die Betriebe klein.

Unsere Gruppe sitzt im Vortragsraum der JVA Herford

Eine Berufsperspektive und eine intakte Familie gehören zu den wichtigsten Faktoren um einen Rückfall zu verhindern, wird uns erzählt und Alex fügt hinzu: „Meine Motivation war meine kleine Tochter. Sie hat mich hier drinnen erzogen.“

Was außerdem bei Veränderung hilft? „Die Haftzeit ist entscheidend“ und Antonio fügt hinzu „Die länger sitzen, werden ruhiger.“

Warum?

„Die Freiheit war früher selbstverständlich“

* alle Namen geändert