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Yasemin

„Betheljahr?! Das ist nur mein Plan Z, das mach ich sowieso nicht.“

Ich weiß gar nicht, wie oft ich das gesagt habe. Und doch kam es anders.

Name: Yasemin

Alter: 19

PraxisbereichPsychische Betreuung - Menschen im Alltag begleiten

Einsatzstelle:  Fachbereich Pniel

Zeitraum: Sept. 2017 – Aug. 2018

Ich – 18 –  im letzten Schuljahr - war schon immer der festen Überzeugung, ich mache nach der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland. Am besten so weit weg, wie möglich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich bereits für das Betheljahr beworben, aber mir war klar, dass ich das auf gar keinen Fall machen wollte. „Bethel ist ja sogar näher an Zuhause als die Schule“. Stattdessen wollte ich lieber neue Kulturen entdecken, in einem Entwicklungsland leben und die Welt sehen! Doch so faul, wie ich war, habe ich mich nach der Zusage vom Betheljahr, um nichts Weiteres gekümmert und mich mit dem Gedanken getröstet, dass ich wenigstens eine Stelle in der Psychiatrie habe, ein Thema, das mich schon immer sehr interessiert hat. Außerdem habe ich mir eingeredet, dass Bethel ja wenigstens gut bezahlt.  Wie sich dann natürlich herausstelle, brachte mir das Betheljahr weitaus mehr.

01.09.17: Ich stehe eindeutig viel zu früh vor dem Eingang des Fachbereichs Pniel, einer Einrichtung für mittelfristige psychiatrische Behandlung (3-6 Monate). Hier werden Patientinnen und Patienten im Alter von 18-60 Jahren mit diversen Diagnosen wie Psychosen, Depressionen, Suchtproblemen, Persönlichkeitsstörungen etc. behandelt.

Nachdem ich in der Einsatzstelle eingetreten bin, lernte ich mein Team und meine neue beste Freundin kennen. Erleichterung überfiel mich als ich so herzlich begrüßt worden bin und festgestellt habe, dass ich gar nicht die einzige Betheljahr-Freiwillige bin. Zu Beginn wurde mir das 8-köpfige multi-professionelle Team aus Pädagogen und Pädagoginnen sowie Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern vorgestellt, zu dem nun auch wir zwei Betheljahr-Teilnehmerinnen gehören. Diese ist nun meine beste Freundin.

Die ersten zwei Monate erforderten viel Sitzgeduld und haben mein Sudoku-Talent geschult. Man wusste noch nicht so genau, wohin mit sich selbst und war, trotz der Einarbeitung durch die Kolleginnen und Kollegen, manchmal überfordert. Doch mit der Zeit legte sich das ganz automatisch. Ich erlangte nach und nach einen Blick dafür, was in der Einsatzstelle noch zu tun war und wo gerade Hilfe benötigt wurde. Im Nachhinein kann ich nur über mein überfordertes Ich lachen.

Ich werde nie die eine Situation vergessen, als wir einen Ausflug zur Kegelbahn gemacht haben. Aufgrund der hohen Nachfrage musste ich spontan und unerwartet den Bulli fahren. Das einzige, was ich bis zu dem Zeitpunkt zu diesem „Ding“ wusste, ist, dass eine meiner Vorgängerinnen, die gesamte linke Seite abgefahren hatte bei dem Versuch, durch ein Parkhaus zu fahren.

Nach einer kurzen Einweisung ging es direkt los mit einem voll besetzten Bulli. Alle redeten miteinander, aber auch auf mich ein. Die Patientin aus der hintersten Reihe stellte mir ständig Fragen zum Weg. Der Patient davor erklärte mir, dass ich die Kupplung langsamer kommen lassen muss, und eine dritte erzählte mir währenddessen ausführlich von ihrem Leben. Das alles, während sich der Rest der Mitfahrer unterhielt. Fix und fertig erreichten wir den Parkplatz. Doch ich war zufrieden mit mir.

Dieses „Erfolgsgefühl“ begleitete mich immer öfter im Laufe meines Betheljahres. Ich wurde sicherer im Umgang mit den Patientinnen und Patienten, mit den Mitarbeitern und Kolleginnen und mit den Autos. Wenn ich nun morgens um 7 Uhr im Dienstzimmer stehe (woran ich mich noch immer nicht gewöhnt habe), weiß ich ganz genau, was meine Aufgaben sind, und ich habe die Freiheit alles so zu organisieren, wie es mir gut passt.

Schnell habe ich gemerkt, dass ich ein völlig falsches Bild von Psychiatrie hatte. Die Türen sind nicht durchgängig verschlossen. Die Patientinnen und Patienten sind ziemlich eigenständig und man muss sich nicht vor etwas oder vor jemandem fürchten. Dank meines Schnupperpraktikums, das man im Betheljahr machen darf, konnte ich auch Einblicke in die Akutpsychiatrie gewinnen. Doch auch dort sind die Verhältnisse nicht so erschreckend, wie viele Menschen es sich vorstellen. Oft werde ich gefragt, wie ich denn in der Psychiatrie arbeiten könne, und ob das nicht gruselig oder total krass wäre. Ich kann nur sagen, dass das überhaupt nicht der Fall ist. Die meisten Patientinnen und Patienten sind sehr umgänglich und mit anderen ist es zwar komplizierter, doch das wird in jedem Bereich wohl so sein.

Zurzeit begleite ich die Patientinnen und Patienten oft zu Terminen bei Ärzten oder Behörden, unterstütze sie in lebenspraktischen Bereichen und vermittele ihnen Sicherheit. Vor allem aber leiste ich viel Motivationsarbeit und sorge für eine ausreichende Freizeitgestaltung. Des Weiteren bin ich u.a. für die Alkohol- und Drogentests zuständig. Auch Bürotätigkeiten gehören zu meinem Aufgabenbereich, was gar nicht so langweilig ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Besonders interessant fand ich den Einblick in die therapeutischen Angebote. Ob es sich nun um Einzel- und Gruppentherapien oder Behandlungskonferenzen handelt, jede Therapie hatte einen eigenen Schwerpunkt und wurde sehr interessant gestaltet.

Letztendlich habe ich in diesem einen Jahr nicht nur viel über die einzelnen Krankheitsbilder gelernt, sondern bin auch persönlich gereift. Ich habe viele Menschen mit interessanten Lebensgeschichten kennengelernt, sowohl unter den Patientinnen und Patienten, als auch unter den Mitarbeitenden, und ich habe bemerkt, wie schmal der Grat zwischen diesen zwei Gruppen ist. Sie alle haben mich geprägt und mich geformt. Inzwischen kann ich von mir behaupten, eindeutig selbstbewusster, selbstständiger und offener zu sein. Neue Situationen stressen mich nicht mehr so sehr und ich habe gelernt, mich auf Situationen einzulassen, die auf den ersten Blick nicht so spannend aussehen.

  • Ich kann nur jedem empfehlen, der ein Betheljahr in Erwägung zieht: Seid offen und herzlich! Es lohnt sich auf jeden Fall!


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